Einweihung der Gedenktafel für Herzog Johann Adolpf II. 2004

 Festrede

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Weißenfels hat schon längst den Ruhm, dass es eine der schönsten Städte in Sachsen ist. Die angenehme luftvolle Lage, das herrliche und gesunde Klima, der der große Wasserschatz der an ihren Mauern hinschleichenden Saale sind lauter vortreffliche Vorzüge vor vielen anderen Orten.“

Das erste Weißenfelser Bearockfest neigt sich so langsam dem Ende entgegen. Unabhängig davon stellt sich jedoch die Frage, was bleiben wird von diesem Wochenende. Geschichte ist immer nur dann präsent, wenn sie greif- und erfahrbar ist. Gerade für die Identifikation der Einwohner mit ihrer Stadt ist es jedoch notwendig, dass man die Vergangenheit kennt. Wer das Weißenfelser Schloss betrachtet, ohne etwas über das Fürstentum zu wissen, dem stellt es sich nur als nichtssagende Kulisse dar. Erst das Wissen um die Geschichte erzeugt die Sensibilität des Umgangs mit ihren Zeugnissen. An diesem Wochenende ist gelungen, das 18. Jahrhundert wieder aufleben zu lassen, eine Zeit, aus der die Schilderung stammt, die ich am Anfang wiedergegeben habe. Dies ist in erster Linie Ihr Verdienst, verehrte Anwesende. Es freut mich, dass sie nach der anstrengenden Schlacht und nach einer sicherlich nicht weniger anstrengenden Nacht auch heute morgen schon wieder so munter und gerade dastehen.

Jens Fischer, der Ideengeber und Initiator des Weißenfelser Barockfestes ist auch der Urheber der Gedenkplatte für Johann Adolph II, die wir heute einweihen. Johann Adolph II. war der letzte im Reigen der fünf Weißenfelser Herzöge, die in wenigen Jahren das Gesicht der Stadt grundlegend veränderten und Weißenfels an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert zu einer Kulturstadt von europäischem Rang erhoben. Johann Adolph II., der als 1685 als letzter der elf Kinder des zweiten Weißenfelser Herzogs geboren wurde, rechnete wohl nie damit, zum regierenden Herzog zu werden. Dementsprechend ging er den Weg, der für viele Prinzen der Zeit typisch war und wurde Soldat. Soldat ist sicherlich reichlich untertrieben, er schaffte es zum Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber der sächsischen Armee im ersten und zweiten Schlesischem Krieg. Als er nach dem Tod seines Bruders Christian 1736 dann die Regentschaft des Fürstentums antritt, kommen ihm die militärischen Tugenden sicherlich zugute. Durch einen strengen Sparkurs schafft er es, die Finanzen soweit zu sanieren, dass die Schuldentilgungskommission nach zwanzig Jahren aufgelöst werden kann. Es scheint zur damaligen Zeit für Herzöge eher die Ausnahme gewesen zu sein, den ein zeitgenössischer Beobachter bebt es ausdrücklich hervor, wenn er sagt: „Er war sehr sparsam und hatte in allem eine musterhafte Ordnung. Durch seine Hand ging alles, alle Rechnungen beglich er selbst. Er kehrte nie den Prinzen heraus, sonder ließ ich, besonders von Fachleuten über alles belehren.“ Hier sollte er für einige Politiker ein Vorbild sein.

Als Zeugnis dieses Wochenendes soll die Gedenkplatte fortan alle Weißenfelser an ihren letzen Herzog erinnern. Jeder, der hier vorbeigeht, wird den Namen Johann Adolphs lesen. Dies ist wohl die wichtigste Funktion von Denkmalen. Durch ihre Präsenz im öffentlichen Raum, ihr bloßes Dasein also, sind sie stumme Zeugen, die doch so viel zu erzählen haben. Seit Jahrhunderten werden Denkmale errichtet, wohl auch in dem Bewusstsein, dass wir dazu eine moralische Verpflichtung haben. Auch wenn das Wort in letzter Zeit inflationär verwendet wurde, kann man hier von einem Generationenvertrag sprechen. Wir übernehmen von unseren Vorfahren ein historisch-kulturelles Erbe, das unser Leben in so vielfältiger Weise bereichert. Damit verbunden ist jedoch die unbedingte Verantwortlichkeit es zu pflegen und weiterzugeben. Diese Pflicht lässt sich auch nicht an eine anonyme Institution delegieren, sie trägt jeder ein Stück selbst in sich. Auch vor diesem Hintergrund kann das Barockfest als vorbildhaft gelten. Zum allergrößten Teil wurde es von privaten Initiativen und Vereinen organisiert. Auch die heutige Tafel ist aufgrund privater Spenden angefertigt worden. Sie zeigt, dass es entgegen der oftmals herrschenden Meinung, noch zahlreiche Weißenfelser gibt, denen ihre Stadt mit ihrer Geschichte am Herzen liegt.

In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass die Initiativen nicht versiegen werden. Dann ist es vielleicht mehr als eine Träumerei, in drei Jahren anlässlich des 350. Jubiläums des Fürstentums ein großes Herzogsdenkmal errichten zu können. Vielleicht gelingt es, das Reiterstandbild Herzog Christians wieder auferstehen zu lassen.

Denkmal Kupfertafel
Einweihnung 1
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